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Zecken sind in ganz Deutschland heimisch, aber sie
übertragen längst nicht überall in gleichem Maße die Borreliose. Bonner
und Leipziger Wissenschaftler haben jetzt eine Karte der gefährlichsten
Regionen erstellt.
Zecken übertragen vor allem zwei Krankheiten: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die im schlimmsten Fall zur Hirn- oder Hirnhautentzündung führen kann und die Borreliose, die im Extremfall neurologische und Gelenkbeschwerden verursachen kann. Während für die FSME-Risikogebiete im Süden Deutschlands ausgewiesen sind, ist die geographische Verteilung der Borreliose-Infektionen weniger gut bekannt.
Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn und das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig
haben nun eine Karte der Borreliose-Verbreitung erstellt. Am größten
ist demnach das Infektionsrisiko in Brandenburg, Sachsen und Bayern
entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien.
In den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr tritt die Krankheit
deutlich seltener auf, ermittelte der Bonner Umweltmediziner und
Geograph Thomas Kistemann.
Generell ist die Zahl der Erkrankungen in Großstädten
niedriger: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borrelien, einem
spiralförmigen Bakterium, ist hier etwa zehn Mal seltener. Denn die Zecken halten sich bevorzugt in ländlichen Gebieten auf, im Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese.
Die genaue Zahl der jährlichen Borreliose-Infektionen ist
unbekannt. Eine Meldepflicht gibt es nur in acht Bundesländern. In ihnen
registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) 2011 etwa 8000 Fälle. Kistemann geht dagegen von jährlich 100.000 Borreliose-Fällen in Deutschland aus. Er bezog in seine Rechnung auch Studien und die Abrechnungen der Ärzte von gesetzlich Versicherten ein.
Die meisten Infektionen verlaufen mild. Die Gestochenen
bemerken sie häufig an einem sich von der Stichstelle ausbreitenden
Fleck, die so genannte Wanderröte, und grippeähnlichen Symptomen wie
Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. In seltenen Fällen kommt es
zu einer so genannten Neuroborreliose.
Dabei befällt der Erreger das Gehirn und die Nerven. Dies kann zu
Lähmungserscheinungen, schmerzhaften Nervenentzündungen oder einer Gehirnhautentzündung führen. Noch seltener entwickelt sich Monate bis Jahre nach einem Zeckenstich eine so genannte Lyme-Arthritis mit schmerzhaften Gelenkentzündungen.
Wer nach einem Zeckenstick befürchtet, infiziert zu sein oder
nach dem Aufenthalt in einem Risikogebiet verdächtige Symtpome bemerkt,
sollte zum Arzt gehen. Die Infektion lässt sich mit
Antibiotika bekämpfen. |